Route 3 – Rund um Bad Schmiedeberg in der Dübener Heide
Radwanderroute 3– entlang der Orte
Greudnitz – Sachau – Radfahrerkirche und Schifferkirche Priesitz – Pretzsch – Bad Schmiedeberg – Wasserschloß Reinharz
Radwandern entlang der Mitteldeutschen Kirchenstrasse
Wie die Perlen auf einer Schnur reihen sich historisch wertvolle Bauwerke entlang der 15 km langen Radtour. Aber nicht nur Kirchen, Schlösser und Parks sind sehenswert. Die Landschaft zwischen Elbe und Naturpark Dübener Heide ist auch etwas für Naturliebhaber.
Der Weg beginnt in dem kleinen Ort Greudnitz, der über die Bundesstraße 182 leicht zu erreichen ist. Die denkmalgeschützte Dorfkirche zu Greudnitz wurde im Stil einer neugotischen Saalkirche errichtet und 1849 fertiggestellt. Der Backsteinbau verfügt über einen westliche Giebelreiter sowie über mehrere Ziergiebel. Im Inneren befindet sich eine einfache Holzbalkendecke. Auffallend ist vor allem die polygonale Apsis mit einem Kreuzrippengewölbe. Die Inneneinrichtung stammt einheitlich aus der Erbauungszeit.
Nach Besichtigung der Greudnitzer Kirche führen kaum befahrenen Landstraße etwa 2,2 km durch ein reizvolle Landschaft nach Sachau.
Die evangelische Kirche zu Sachau ist ebenfalls ein Saalbau. Und stammt aus dem 13. oder 14. Jh. Der quadratische Westturm besteht aus verputztem Fachwerk. Im Innenraum befindet sich eine mehrfarbige, ornamental bemalte Balkendecke. Die Kanzel ist mit Evangelistendarstellungen und einem Portrait Martin Luthers versehen. Der kunstvoll gestaltete Altar stammt aus der Pretzscher Schlosskapelle. Er zeigt, von Säulen gerahmt, geschnitzte Figuren Moses und Johannes des Täufers sowie eine Darstellung des Abendmahls.
Um nach Priesitz zu gelangen fahren wir 2,5 km durch die Elbauen. Wenn diese überflutet sind erreicht man Priesitz über die Bundesstraße (viel Verkehr) oder man fährt zurück zu den Lausiger Teichen und von dort nach Priesitz.
Die Schifferkirche von Priesnitz befindet sich auf einer Wiese etwa 300m östlich vom Dorf. Sowohl durch ihre Lage als auch durch ihr Ansehen unterscheidet sie sich von anderen Sakralbauten der Gegend. Unmittelbar am Elbstrom gelegen, diente die kleine Kirche früher als Andachtsstätte für Schiffer, Fischer und Treidler. Außerdem stellte sie ein Bindeglied zwischen den benachbarten Völkern, den Tschechen und den Deutschen, dar. Die ungewöhnliche Lage ist außerdem Zeugnis des ursprünglichen Pretzscher Dorfkerns, welche später auf das weniger überschwemmungsgefährdete Hochufer verlegt wurde. Die Kirche besteht aus Feldsteinmauerwerk und ist ein flachgedeckter, chor- und turmloser Saalbau. Die Entstehungszeit liegt im 13. Jh. Sie besitzt einen rechteckigen Innenraum mit einer Balkendecke. Das Kirchenschiff ist Kern romanisch (13.Jh.) . Bemerkenswert ist der dreiteilige, spätgotische Flügelaltar, mit einem Kanzelkorb und geschnitzten Figuren versehen, aus dem 17. Jh. Er wurde von Fischern gestiftet und aus Böhmen hierher gebracht. Neben der Kirche befindet sich ein klassizistisches Grabmahl für Johann George Lehmann und seine Ehefrau.
Nach nur 1,5 km erreicht man die kleine Stadt Pretzsch. Hier gibt es Einiges zu entdecken. Nicht nur die Kirche, sondern auch das Schloss und eine hübsche Innenstadt laden zu einer Rast ein.
Die 981 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Stadt Pretzsch kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückschauen. Von 1908 bis 1990 war sie sogar Kurstadt. Inzwischen ist der Kurbetrieb jedoch eingestellt und die Anlagen werden touristisch genutzt. Die evangelische Kirche St. Nikolaus wurde von 1647 bis 1652 erbaut. Sie ist ein eingeschossiger, spätgotischer Putzbau mit einem dominierenden Westturm, gestaltet nach Entwürfen des sächsischen Oberlandbaumeisters Daniel Pöppelmann. Der reich dekorierte Holzturmaufsatz wurde auf der Elbe von Dresden nach Pretzsch transportiert. Der spätgotische Backsteinsaal beherbergt in der Südostecke die prächtige hölzerne Gruft der Chrisiane Eberhardine, welche ebenfalls auf eine Entwurf Pöppelmanns zurückgeht. Der Altaraufsatz aus Elbsandstein zeigt ein Relief des Abendmahls sowie Darstellungen des Evangelisten Matthäus und Johannes. Die Kanzel ist ebenfalls aus Sandstein. Der Schalldeckel ist als Wolkenhimmels gestaltet und wird von zwei Engeln gehalten. Am Markt 1 steht das Geburtshaus Friedrich Wiecks, einem Musiklehrer, dessen Tochter Klara später Robert Schumann geheiratet hat. Das Gebäude am Markt 2 ist ein frühbarockes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1673.
Seit 1574 existiert das dreigeschossige, kastellförmige Renaissanceschloss in seiner heutigen Gestalt. Der Schlosspark hat die Gestalt eines barocken Lustgartens und ist ebenfalls von Pöppelmann konzipiert. Von den ehemaligen Sandsteinskulpturen sind jedoch nur noch wenige erhalten. Schloss und Park Pretzsch gehören zu den Gartenträumen Sachsen-Anhalts.
Bis zur nächsten Etappe Bad Schmiedeberg muss man das größte Stück dieser Tour bewältigen (etwa 6,1 km). Man kann in so kurzer Zeit kaum alles anschauen, was diese Kurstadt zu bieten hat. Empfehlenswert ist das alte Kurgelände und natürlich die Stadtkirche St. Nikolai. Auch ein Bummel durch die Innenstadt lohnt sich. Die Kleinstadt wurde erstmals 1206 erwähnt. Seit 1332 besitzt sie Stadtrecht. 1429 zerstörten Hussiten die Stadt samt ihrer Kirche und einer ehemaligen Burg. Heutzutage ist der Stadtkern im wesentlichen von Renaissance- und Barockbauten geprägt.
Der Turm der evangelischen Stadtlirche St. Nikolai bestimmt das Stadtbild. Die große dreischiffige Hallenkirche wurde 1666- 1681 nach Zerstörung wieder aufgebaut. Von den vermutlich im 15. Jh. errichteten Vorgängerbau ist nicht viel bekannt. Der Innenraum wurde über die Jahrhunderte hinweg in einem Stilgemisch umgebaut, renoviert und erweitert. Die ornamentale Ausmalung entstand 1904/05 nach dem Entwurf von August Oetken. An der Südseite befindet sich ein prunkvolles Epitaph für den 1724 verstorbenen Oberpfarrer Georg David Ziegra. Die südliche Turmhalle wurde 1920 als Gedächtnisraum für Gefallende des ersten Weltkrieges umgestaltet. Dabei wurde ein hölzernes, spätgotisches Kruzifix in die Gestaltung einbezogen. In der Südvorhalle sind Wandmalerein zu sehen, die unter Verwendung der romanischen Reste entstanden. Dargestellt werden die Vertreibung aus dem Paradies, Geißelung und Dornenkrönung Christi sowie das Jüngste Gericht.
Nach einem Entwurf des Architekten Arthur Hänsch entstand 1905-198 das Kurhaus als ein Komplex von Jugendstilbauten. Der Theatersaal ist einer der schönsten erhaltenen Jugendstilbauten Sachsen-Anhalt. Angrenzend befindet sich der Kurpark, ein ab 1874 angelegter Landschaftspark. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Au-Tor in der Wittenberger Str. 100. Der spätgotische Torturm aus Backstein besitzt einen annähernd quadratischen Grundriss. Entstanden ist das Tor um 1490. Über der spitzbogigen Durchfahrt befindet sich ein Fachwerkaufsatz mit Dachreiter und Laterne. Sehenswert ist außerdem das Rathaus, ein verputzter Backsteinbau. Datiert wird es auf 1570. Nach teilweiser Zerstörung wurde es 1648 wieder aufgebaut zuletzt 1993 restauriert. Der stattliche Bau besteht aus zehn Achsen. Die Portale sind unterschiedlich gestaltet.
Von Bad Schmiedeberg aus geht es 4,2 km zum letzten Punkt der Route-Reinharz.
Auch hier laden eine Kirche und das ehemalige Jagdschloss zum Verweilen ein. Das ehemalige Gutsdorf wurde erstmals 1485 anlässlich des Erwerbs durch Heinrich Löser zu Pretzsch erwähnt. Die Lösers errichteten im 16. Jh. ein Gutshaus, später unter Heinrich Löser ein Schloss.
Die evangelische Kirche zu Reinharz ist ein barocker Backsteinbau. Sie wurde 1704 vollendet. Das Innere besitzt noch die Einrichtung aus der Bauzeit. Die Spitzbogenfenster und Strebepfeiler sind an die barocke Bauweise der Außenkirche abgelehnt und sind bedeutende Beispiele für eine Architektur, welche spielerisch mit historischen Elementen arbeitet. Nördlich, gegenüber der Loge, findet man ein wertvolles, hochbarockes Alabasterepitaph für den Bauherrn Heinrich Löser auf Klöden, Reinharz und Meuro (1665-1705).
Zum Abschluss der Tour sollten Sie es nicht versäumen dem Wasserschloss Reinharz noch einen Besuch abzustatten. Dieses barocke Ensemble gehört zu den Gartenträumen Sachsen-Anhalts. Wer mit dem Auto angereist ist, kann quer durch die Dübener Heide nach Greudnitz zurückfahren. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bad Schmiedeberg.


Bitte verfassen Sie nun Ihren Kommentar oder Ihre Mitteilung!
You must be Einloggen um Kommentar zu schreiben.