Kirche zu Seyda
Der Ort Seyda ist eine ursprünglich dörfliche Siedlung des späten 12. Jahrhunderts. Er entstand im Schutz der Burg der Schenken von Landsberg, die um 1235 errichtet wurde. Im Jahre 1501 fiel Seyda durch Kauf an Kursachsen. 1708 wurde Seyda von einem Brand heimgesucht.
Die romanische Kirche “St. Peter und Paul” (ursprünglich “Zum Heiligen Kreuz”) in Seyda gehört zu den ältesten Kirchen in der Region. Teile der Grundmauer sind über 800 Jahre alt. Die älteren Feldsteine kann man heute noch an der Nordwand sehen. Eines der ältesten Stücke ist ein gotischer Grabstein, der als Motiv ein Mädchen zeigt. Dieser Stein wird heute als Türschwelle zwischen Kirchenvorraum und Kirchenraum verwendet. Der Feldsteinsaal der Kirche stammt aus dem 13./14. Jh. und besitzt einen geraden Ostschluss und eine Dreifenstergruppe mit spitzen Bögen. 1709 wurde die Kirche durch einen Stadtbrand zerstört. Nachdem in anderen sächsischen Gemeinden eine “Liebessteuer und ein “Liebesopfer” für Seyda erhoben wurden, konnte die Kirche zwischen 1709 und 1711 wieder aufgebaut werden. Dabei wurden die oben erwähnten Fenster verlängert.
Der Westturm von 1854 ist geprägt durch einen sogenannten Spitzhelm. Die im Westen weit vorgezogene Empore ist in Hufeisenform errichtet und stammt wohl aus dem endenden 18. Jh. Sehr sehenswert ist der hochbarocke Kanzelaltar, der um 1711 entstanden ist und reich mit Akanthusranken dekoriert wurde. Er ist in weitgehend originaler Fassung zu sehen und kam wahrscheinlich aus Wittenberg. Der etwas gerundete Kanzelkorb befindet sich zwischen Pilastern mit Muscheln und Fruchtgehängen und wird von den lebensgroßen Schnitzfiguren von Petrus und Paul, die der Kirche ihren Namen gaben, umrahmt. An der Kanzel sieht man ein Abendmahlrelief. Zur Ausstattung gehört auch eine Sandsteintaufe aus dem Klassizismus, die kelchförmig gestaltet und zugleich in das späte 18. Jh. einzuordnen ist.
Im Norden befindet sich die Patronatsloge mit einem hölzernen Giebelaufsatz und einer Wappenmalerei der Länder Kursachsen und Polen, die vermutlich von Michael Adolf Siebenhaar um 1730 stammt. Zu erwähnen ist außerdem die aus Eilenburg stammende Orgel mit Orgelprospekt aus dem späten 18. Jh. und dem Orgelwerk von 1883, das von Conrad Geissler gebaut wurde.
Neben dem Altar befinden sich zwei bemalte neugotische Glasfenster mit den Motiven “Jesus vor der Herzenstür” und “Der gute Hirte”. Weiterhin in der Kirche zu sehen sind ein Gemälde des Pfarrer Johannes Zacharias Hilliger aus Chemnitz, das 1772 von Christian Lindner datiert und signiert wurde, sowie ein Doppelbildnis von Melanchton und Luther, datiert und signiert von Michael Adolf Siebenhaar 1740. Ein Sandstein-Doppelepitaph aus dem Spätbarock wurde für den Amtmann Christian Friedrich Reinhardt und seine Frau errichtet. 1717 kam eine große, dumpfe Glocke auf den Turm, deren Inschrift vom Stadtbrand berichtet und den Zweck der Glocke benennt, nämlich “den Freudenton evangelischer Christen ins Künftige zu vermehren”. Im Jahre 1956 wurde eine helle Glocke aus Stahl in den Turm gebracht, nachdem die anderen Glocken sowie auch die Zinnpfeifen in den Weltkriegen abgegeben werden mussten.



300 Jahre wird die Kirche 2011. Das ist nicht irgendein Datum, sondern eines, das uns heute Mut machen kann. Da war die Stadt fast ganz zerstört durch einen großen Brand. Aber die Leute haben Mut gefasst, doch wieder anzufangen und aufzubauen. Nicht wegzugehen und alles aufzugeben, sondern anzupacken und nach vorn zu schauen. Deshalb steht Seyda. Auf diesen Mut und diese Hoffnung ist es gebaut. Und dazu kam: Die Liebe! Sächsische Städte haben mit einem „Liebesopfer“ dazu beigetragen, die nötigen Mittel aufzubringen. Lebendige christliche Gemeinschaft steht dahinter! Menschen, die Gottes Wort geglaubt haben und ihm gefolgt sind: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21, Jahreslosung 2011).
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