Kirche zu Jessen
Die Stadt Jessen liegt an der Schwarzen Elster am Fuße der “Jessen-Schweinitzer”Berge und ist die flächenmäßig größte Stadt in Sachsen-Anhalt. Sie wurde 1217 das erste Mal urkundlich erwähnt und verdankt ihre weitere Entwicklung dem Grafen von Brehna. In der Folgezeit ging es in den Besitz der Askanier über, die das Schloss in Jessen als Witwensitz nutzten. Anfang des 16.Jh.s fiel das Schloss an Friedrich den Weisen. Im 14.Jh. wurde der Weinanbau in der Jessener Region eingeführt und 1595 die erste Winzerbruderschaft gegründet. Seitdem ist Jessen eines der nördlichsten Weinanbaugebiete Europas.
An der Nordseite des Marktplatzes von Jessen steht die evangelische Stadtkirche “St. Nikolai”. Nach dem Brand im Jahre 1646 und dem Einsturz des Westturmes 1657 wurde die Kirche bis 1662 wieder neu errichtet. St.Nikolai wird geprägt durch einen großen Rechtecksaal mit seitlichen, kreuzförmig wirkenden Anbauten und einem vorgestellten Westturm. Sie vereinigt mehrere Stile und Epochen. So stammt der Ostteil und der Bereich im Nordosten, in dem sich die Sakristei mit zwei kuppelartigen Gewölben befindet, aus dem Mittelalter. Der Westturm mit seinem flachen Zeltdach, einer Laterne und einem Spitzhelm von 1823 hat jedoch einen klassizistischen Ursprung. Aus dieser Zeit stammt auch die Putzquaderung des Kirchenschiffs mit seinen hohen, rundbogigen Fenstern. Die Portale der Kreuzflügel werden von Ädikulen, deren Aufsätze maniriert sind, umrahmt. Sie wurden zwischen 1657 und 1662 geschaffen. Im Inneren sind weiterhin durch große Rundbögen geöffnete Querarme, eine flache Putzdecke und eine vorschwingende Westempore zu bewundern. Der Raum wird vor allem durch eine wunderschöne Schauwand des hochbarocken Kanzelaltars dominiert. Die Kanzel wird von Moses und Johannes dem Täufer, die vor weinlaubberankten, gedrehten Säulen stehen, flankiert. Auf den Giebelansätzen stehen die Evangelisten. Der Schalldeckel der Kanzel wird bekrönt durch den auferstandenen Christus zwischen Petrus und Martin Luther. Die beiden Engel der dazugehörigen Taufe wurden seitlich der Türen in die Altarwand integriert und sollen dort verlorengegangene Figuren ersetzen. Der Altaraufsatz von 1662, der ursprünglich aus Holz bestand, wurde zerteilt; das ehemalige Altarblatt mit dem Abendmahl als Motiv wurde an der Südwand aufgestellt, und das Gethsemanebild des Aufsatzes befindet sich jetzt auf der Südempore. Der Kanzelkorb ist ein polygonales Konstrukt, in dessen Felder die Evangelisten gemalt sind. Der achteckige Taufstein steht auf einem Volutenfuß. Das Gemälde der Kreuzabnahme stammt aus der Chranach-Schule. Es soll 1552 von einem Wittenberger Professor gestiftet worden sein.




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